Fremdartige Angst

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Hätten unsere Urahnen damals Angst vor allem fremdartigen gehabt, würde heute zwar kein nationalistisch brauner Dünnschiss über die Länder sabbern, allerdings sähe es insgesamt ziemlich anders aus. Waren sich die in unserer Vergangenheit grabenden Forscher bislang relativ sicher, dass die Wiege der Menschheit in Afrika stand, gerät diese These zusehends ins Wanken. Neuerliche Entdeckungen deuten darauf hin, dass eine zentrale Geburtsstätte Makulatur sein dürfte.

Mit seiner afrikanischen Abstammung konnte sich der nationalistische Mob noch nie anfreunden, weshalb dieser Umstand komplett ignoriert wird. Die biologische Tatsache, dass Vermischung und Verschmelzung innerhalb einer Rasse ein nicht zu verhindernder natürlicher Vorgang ist, um so eine Stärkung der Art zu erreichen, begreifen sie ebenfalls nicht. Das Vielfalt ein Vorteil beim Erhalt der eigenen Gattung ist, übersteigt deren negativen Gehirnkapazitäten.

Warum es erstrebenswerter ist Angst und Hass gegenüber Fremde zu schüren, als sich freundschaftlich und unterstützend zu begegnen, kann von denen keiner erklären. Damit sind sie überfordert, woraufhin lediglich deren innerer Widerstand weiter aufgeheizt wird. Dabei fühlen sich Angst und Hass so eklig an, dass deren freiwilliges Entfachen unverständlich ist. Sich friedlich mit seinesgleichen verhalten, ist dagegen in jeder Weise angenehm. Allerdings sind Angst und Hass nicht nur am leichtesten zu entfachen, sie ermöglichen auch eine leichtere Kontrolle derjenigen. Womit der zentrale Grund für Existenz und Verbreitung jeglicher Angstmache gefunden ist.

Kontrolle ist des Menschen größter Schwachpunkt. Wir glauben bis zur Überzeugung alles zu beherrschen (müssen). Je ausgeprägter dieser Wesenszug ist, desto anfälliger sind Betroffene für Beeinflussungen. Ein Auswuchs der Kontrolle ist Dominanz. Wird diese vermeintlich bedroht, greifen Wankelmütige zur scheinbar einzigen Gegenmaßnahme und ziehen ihre Grenzen hoch bzw. höher.

Obgleich fremdartige Angst und unnötige Feuer zu fördern völlig überflüssig und unnütz anmutet, entfaltet alles seinen Nutzen für die Ober-Kontrolleure. Von ihrer Gefolgschaft als Galionsfigur verehrt, gebieten und steuern sie deren Denk- und Verhaltensweise. Auf Knopfdruck aktivieren sie die Stimmungslagen ihrer Anhänger und geben die Richtung aller Handlungen vor. Diese akzeptieren die Fremdsteuerung, weil es erstens durch ihre Gleichschaltung nicht als solche empfunden und zweitens jede Auslagerung von Verantwortung und Entscheidung gerne angenommen wird. Jemandem hinterherlaufen ist einfacher, als sich den Weg selber zu suchen.

Derlei infizierte Kreaturen sind unempfänglich für Korrekturen. Sie halten an ihrem Blödsinn fest und stürzen eher mit geschlossenen Augen über die Klippe, als sich für andere Perspektiven zu öffnen. Natürlich darf hierbei nicht unterschlagen werden, dass jede Form der Eigenständigkeit anstrengend ist. Selber Denken zum Beispiel ist eine ungemein herausfordernde Tätigkeit, die man lieber vermeiden möchte, bevor offensichtliche Defizite blamieren könnten.

Wir Menschen wurden zu dem, was wir sind, nicht durch fremdartige Angst. Die Begrenztheit mancher Zeitgenossen ist nicht nur peinlich, sondern eine Schande für unsere Rasse. Nicht zu kapieren oder schwer von Begriff zu sein, ist das eine. Das andere, sich seinem Sein zu verweigern, was ein Frevel sich selbst gegenüber darstellt und zudem kolossaler Verrat an der Menschheit insgesamt ist. Beschämend. Traurig. Armselig.

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