Entwicklungshilfe für wen?

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Entwicklungshilfe hier, Entwicklungshilfe dort – aus allen Ecken tönt uns seit Jahrzehnten der Appell für Entwicklungshilfe entgegen. Bei diesen umfangreichen Bemühungen muss die doch ein wahnsinniger Erfolg sein? Warum wird Entwicklungshilfe dann nicht zurückgefahren, sondern ihr Ruf gefühlt ständig lauter? Wieso befinden sich die geförderten Länder immer noch auf dem Level eines Entwicklungslandes? Lässt sich nicht vielmehr feststellen, dass das System kolossal gescheitert ist? Was zur naheliegenden Frage führt: Wem hilft Entwicklungshilfe?

Hier ein paar Brunnen, dort eine Schule oder Krankenstation und verstreut Vorträge zur Verbesserung der kargen Landwirtschaft. Was hierzulande mit Getöse angepriesen wird, gleicht vor Ort einem Tropfen Wasser auf heißen Stein, wo er umgehend verdampft. Allerdings sind in europäischen Ländern rund um die Entwicklungshilfe profitable Wirtschaftszweige entstanden. Entwicklungshilfe ist zum Milliarden Geschäft geworden, weshalb die Abstauber wenig Interesse haben am Status quo zu rütteln.

Zwar wird keine Gewalt mehr wie zu Kolonialzeiten angewendet, dafür eine Abhängigkeit erzeugt, mit der die Länder klein gehalten werden. Jetzt kommen die Europäer als Gut-Herren daher und verschleiern damit, dass sie nach wie vor Ton und Kurs angeben wollen. Besonders Afrika dient Europa lediglich als Mittel, um den eigenen Wohlstand zu mehren. Kleine Gefälligkeiten, die sogenannte Entwicklungshilfe, sollen die Ausgebeuteten bestenfalls ruhig stellen.

Wie skrupellos und kaltherzig Europa seine Interessen verfolgt, zeigt sich am herablassenden Umgang mit den Einheimischen. Viele Jahre weigerten sich einzelne afrikanische Länder das Freihandelsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Irgendwann hatte die EU die Nase voll und demonstrierte ihre Macht, indem auf Erpressung umgeschaltet wurde. Wichtige Exportgüter wurden mit horrenden Zöllen belegt, woraufhin die Kleinbauern auf ihren Waren sitzen blieben und größtenteils vernichten mussten. Um keine Revolte auszulösen, unterschrieben die letzten Abweichler das für sie nachteilige Abkommen. Nutznießer ist einzig Europa, das seine Profite nun beträchtlich ausbauen kann. Schon vor dem Abkommen haben Europas exorbitante Exporte zur Vernichtung ganzer Industriezweige in verschiedenen afrikanischen Ländern geführt. Unsere Altkleider eliminierten die Bekleidungsindustrie und durch Subventionen geförderte Überproduktion von Schweinefleisch, Geflügel, Milch und Tomaten korrespondierende Wirtschaftsbereiche.

Ganz nach überheblicher Gutsherrenart reibt sich Europa die dicken Bäuche und füllt ungeniert seine Taschen. Folgen des eigenen Handelns werden rigoros übergangen. Borniert wird vorausgesetzt, dass sich der ungehemmten Selbstbedienung keine Hindernisse in den Weg stellen. Großmütig leistet man schließlich Entwicklungshilfe.

Presst man eine Zitrone stark genug aus, kommt irgendwann kein Tropfen mehr und sie landet im Müll. Verfährt man mit einem ganzen Kontinent und all seinen Menschen so, wehren die sich erwartungsgemäß gegen eine solche Behandlung. Bevor sie zerquetscht werden suchen sie verständlicherweise das Weite. Die Verwunderung der Europäer darüber, dass sich die Geschundenen hierher retten, ist grotesk. Arrogant glauben die Kolonialherren, wie in alten Zeiten, überlegen und unantastbar zu sein. Die Flüchtlingsanstürme waren vorhersehbar, weil sie durch das Prinzip von Ursache und Wirkung unabdingbar sind. Dass besonders der rechte Dreck von den Folgen seiner Völlerei nichts wissen will, ist bei deren Beschränktheit nicht anders zu erwarten. Dabei ignorieren wir entscheidendes: Über kurz oder lang wird es in Europa eng. Auch wenn gewisse Bevölkerungsgruppen dieses abstreiten würden, werden sie die ersten sein, die in ein fremdes Land einfallen, um es zu okkupieren. Vor allem wären sie der Ansicht, sie hätten das Recht dazu.

Ein entwickeltes Afrika wäre ein passables Ziel gewesen. Aber wir haben es lieber Klein gehalten, um es uns auf deren Rücken gut gehen zu lassen. Vielleicht bestanden Befürchtungen über zu große Konkurrenz für unsere Industrien. Wahrscheinlich gefiel man sich aber in der altbekannten Rolle des Kolonialherrschers. Kurzsichtig und engstirnig, wovon unser Handeln üblicherweise geprägt ist. Entwicklungshilfe dient zur Beruhigung unseres Gewissens. Dass sich damit auch gute Geschäfte machen lassen, braucht man ja nicht an die große Glocke hängen.

Zweifellos engagieren sich an der Basis zahlreiche Menschen hingebungsvoll und glauben wirklich etwas bewegen zu können. Was sollen sie auch sonst bzw. bleibt ihnen übrig? Diese vielen helfenden Hände sollen gar nicht diskreditiert werden. Wer aber, auch jene, das System nicht hinterfragt, handelt fahrlässig. Afrika wie ein schreiendes Baby behandeln, was sich mit einem Schnuller ruhig stellen lässt, ist pure Diskriminierung.

Mögen die zahlreichen Organisationen noch so gemeinnützig und vordergründig nicht auf Profit aus sein, werden unter diesem Banner Milliarden Dollar umgeschlagen und fließen in deren Taschen. Welche Absichten verfolgt Entwicklungshilfe? Afrika zu einem wirtschaftlich starken Kontinent auf Augenhöhe zu machen zumindest nicht. Denn alles bisher Geleistete führt China innerhalb kürzester Zeit ad absurdum. Dessen Engagements kommen direkt und vor allem spürbar bei den Menschen vor Ort an. Ausgerechnet der schlimmste Menschenrechtsbrecher zeigt mehr Respekt den Afrikanern gegenüber, als unsereins – absurd. Nachvollziehbar wenden sich die meisten afrikanischen Länder inzwischen China zu. Keine Zweifel dürfte hingegen an Chinas Hintergedanken für seine Interventionen bestehen, weshalb weltweit Alarmglocken schrillen sollten.

Damit mutiert unsere Großzügigkeit nicht nur zur Farce, sondern wir treiben mit unserer Selbstherrlichkeit einen ganzen Kontinent von uns weg. Geradewegs in die Hände einer Diktatur. So viel Dämlichkeit bleibt nur deshalb unbemerkt, weil sie von Überheblichkeit verdeckt wird. Fehlgeleitete Entwicklungshilfe erweist sich nicht nur als Rohrkrepierer, sondern wird nun als Macht gegen uns aufgebaut.

Schreitet der Aufschwung in Afrika voran, dürften viele der Geflüchteten wieder die Heimreise antreten. Europaweit wird das zu Jubelarien führen, weil Zusammenhänge nicht kapiert werden. Werden darüber hinaus korrupte Regierungen ersetzt, könnten den Menschen in ihrer Heimat endlich ein anständiges und respektables Leben blühen. Den Geflohenen ist dies unbedingt zu wünschen und zu gönnen. Auswirkungen, die ihnen der Klimawandel aufzwingen wird, mal ausgeklammert.

Was längst unter freiheitlich demokratischen Einflüssen hätte vollzogen werden müssen, findet nun unter der Ägide einer kommunistischen Diktatur statt. Schlimmer konnte man es nicht verbocken. Auf Einsicht bei den Beteiligten braucht niemand zu hoffen. Politik ist hierzu grundsätzlich unfähig und Profiteure waschen ihre Hände in Unschuld. Erbärmlich wird hingegen deren Geschrei sein, wenn unerwünschte Konsequenzen zutage treten.

Ungleichheit lässt sich nicht dauerhaft aufrecht halten. Das über Jahrzehnte praktizierte Verhalten europäischer Regierungen gegenüber Entwicklungsländer kann nur als einfältig bezeichnet werden. Von der erhabenen Position eines Gönners wurden die dort vorhandenen Bedürfnisse missachtet und den eigenen untergeordnet. Böswillig wurden Menschen, keine Außerirdischen, nicht ebenbürtig behandelt und ausgegrenzt. Das ist Rassismus. Dabei scheinheilig Gleichwertigkeit heucheln, macht das Ganze nur schlimmer.

Nun fällt uns alles auf die Füße, und zwar schmerzhafter, als wir es uns ausmalen wollen würden. Was jedoch mangels Weitsicht scheitert. Sogenannte entwickelte Länder agieren gegenüber vermeintlich unterentwickelten erbärmlich. Geradezu peinlich. Anzunehmen, jene würden sich dies auf ewig gefallen lassen, strotzt ebenso vor Arroganz, wie vor Dummheit.

China weckt nun den schlafenden Riesen. Spätestens, wenn sich das asiatische Reich den islamistischen Terror vorknöpft, ist es mit westlicher Einflussnahme vorbei. Sukzessive wird in Afrika die Lebensqualität steigen – endlich. Reduziert sich das Ungleichgewicht, führt das unweigerlich zu Abstrichen in den reichen Nationen. Was nicht nur völlig in Ordnung, sondern überfällig ist. Den vorhersehbaren Protesten ließe sich frühzeitig entgegenwirken, wofür jedoch besagte Weitsicht fehlt. Ob uns die Ausweitung des chinesischen Systems gefällt, darf hingegen bezweifelt werden. Allerdings hatten wir jahrzehntelang Gelegenheit es anders zu gestalten, doch diese nur zur eigenen Bereicherung genutzt, womit wir China den Weg ebneten. Wir haben Respekt und Verantwortung verwirkt; wir haben kläglich versagt.

Punktuell wurde sicher nützliches installiert, aber es wurde unterlassen, die Länder selbst entscheidend aufzubauen. Dabei war es kein Versäumnis Afrikas Länder nicht voranzubringen, sondern Vorsatz. Deswegen wurden korrupte Regierungen geduldet, weil sie weitestgehend nach der europäischen Pfeife tanzten. Hilfsorganisationen werden argumentieren, dass dies weder ihre Aufgabe sei, noch von ihnen beeinflussbar ist. Womit sie sich billig aus der Affäre ziehen. Wozu taugt Hilfe, wenn keine Heilung erfolgt? Weil Heilung nicht erwünscht war. Auf eine klaffende Wunde ein winziges Pflaster kleben, erweist sich nun als kontraproduktiv. China spuckt jetzt in die Hände, um keine halben Sachen zu machen. Während es den eigenen Aufbau vorantrieb, konnte es in Ruhe unsere kläglichen Aktivitäten in Afrika studieren. Entgegen westlichen Absichten Afrika zu beherrschen, will China es stärken, um gemeinsam zu wachsen. Zunächst zumindest, den Rest sollte man sich denken können. In den kommenden Jahren dürfte besonders Europa über seine Versäumnisse jammern. Mal sehen, wem dann die Schuld dafür in die Schuhe geschoben werden soll. Wie gesagt, Einsicht und Weitsicht sind Mangelware politischer Führungseliten.

Und, heute schon Geld für Entwicklungshilfe gespendet und Altkleider zum Sammelcontainer gebracht?


Ergänzende Lektüre:


(* Bevor Rubikon sich auf die Seite der Verschwörungstheoretiker schlug, fanden sich dort gute Beiträge. Eben solche sollten wegen der unrühmlichen Entwicklung nicht einfach ignoriert werden.)

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