Die richtige Wahl 2021

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Ältere Mitbürger wählten früher, und wahrscheinlich noch heute, ganz der Tradition verpflichtet. Das Kreuz der Eltern und Großeltern trugen sie tapfer durch ihr eigenes Leben. Mit Vernunft oder gar Argumenten braucht ihnen niemand zu kommen. Eine Veränderung käme diesen Generationen nicht nur einem Verrat an ihrer Vergangenheit gleich, sondern würde als Vorwurf aufgefasst, bislang einen Fehler gemacht zu haben. Darauf folgt der totale Verschluss und nichts wäre erreicht. Diese Reaktion gründet aber nicht im üblicherweise nachgesagten, altersbedingten Starrsinn. Vielmehr im nachlassenden Willen und/oder Fähigkeiten zur Nutzung der grauen Zellen im Kopf, bei gleichzeitig zunehmender Unsicherheit. Die Anfälligkeit Betrügern auf den Leim zu gehen, spricht da eine deutliche Sprache. Sturheit würde wohl eher zum eigenen Schutz agieren und fadenscheinige Geschichten als solche enttarnen. Letztlich treffen hier politische Versprechungen der fest verwurzelten Farbe ungefiltert ins Ziel, während alles andere rigoros abprallt.

Jüngere Generationen wuchsen und wachsen zwar in einer sich stärker verknüpfenden Welt auf. Ein weitsichtiger Geist ist damit allerdings nicht automatisch verknüpft. Eher gegenteilig, wirkt neben familiär einwirkenden Grenzen nun auch noch der steigende Druck immer aggressiver agierenden, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen. Die zur Verfügung stehende Weite, mit all ihren einströmenden Einflüssen, verursacht Ängste. Wie eine bedrohte Schnecke wird sich erschrocken im Schneckenhaus verkrochen. Doch statt irgendwann wieder die Nase herauszustrecken und mutig Neues zu erkunden, wird sich verbarrikadiert und die Abwehr aufgerüstet.

Die wenigen, die Chancen, aber auch drohende Gefahren sehen und sich hingebungsvoll engagieren, bezahlen für diesen Einsatz einen hohen Preis. Statt ernst genommen und respektiert zu werden, machen besessene, tollwütige Bestien Jagd auf sie. Gefangen in einer beschränkten Welt, reduzieren sich deren Aktivitäten darauf, andersdenkenden das Leben zur Hölle zu machen.

Was diese Ausführungen mit den anstehenden Wahlen in diesem Jahr auf sich haben? Nun, sämtliche desaströsen Entwicklungen gründen natürlich auf Bedingungen, die das jeweils politisch verantwortliche Personal vorgibt. Selbiges versteckt sich jedoch regelmäßig feige hinter angeblich ökonomischen Anforderungen, womit deren Präsenz umfassend beschrieben ist. Politik hat sich vollständig in ein Kasperletheater verwandelt. Uns Bürgern spielen Figuren, von der Wirtschaft geführt, allerlei Märchen vor. Unbemerkt wird Demokratie ausgehöhlt und Oligarchie nistet sich unter ihrem Deckmantel ein.

Einige markante Fehlleistungen dürften den allermeisten bekannt sein. Ob dabei immer die richtigen Zusammenhänge gesehen und/oder Schlüsse gezogen werden, ist hingegen zu bezweifeln. Vergangene Wahlen hätten dann andere Ergebnisse erzielt. Leider erweist sich der häufig bemühte Spruch, aus Fehlern lernen, wie üblich als hohle Floskel. Unter den erschwerten Bedingungen einer seit 2020 grassierenden Corona-Pandemie, dürfte darüber hinaus eine sachliche Entscheidungsfindung kaum stattfinden. Emotionalität beherrscht weltweit jegliches Geschehen. Gefühle schalten jedoch Rationalität ab. Zukunft mutiert zu einem suspekten Spielball, der beim aktuellen Befinden ungehindert Richtung Aus kullert.

Ein anderer Wahlausgang 1998 hätte heute eine andere Gesellschaft zur Folge. Aus heutiger Sicht ist der damalige Fehler in allen Lebenslagen deutlich zu spüren. Womöglich bereuen viele ihre Stimmvergabe. Doch lernen sie daraus? Auch mit dem Internet lässt sich nicht in die Köpfe von Politikern schauen, um deren heuchlerische Versprechungen zu entlarven. Was aber von mündigen Erwachsenen erwartet werden darf, ist, vergangenes und aktuelles Handeln unter globalen und vor allem menschlichen Aspekten zu bewerten.

Es stimmt, bei dieser Betrachtung schneiden gegenwärtige Parteien mehr oder weniger schlecht bis miserabel ab. Der gern verwendete Vergleich zwischen Pest und Cholera trifft es ziemlich genau. Gar nicht erst zu wählen hört sich deshalb nach einer vernünftigen Lösung an. Dem Status eine Abfuhr erteilen und durch Stimmentzug bestrafen klingt nachvollziehbar. Allerdings ist Verweigerung der dümmste Fehler, der ausgerechnet jetzt nicht in Betracht gezogen werden darf. Es wird Gewinner geben und wahrscheinlich genau die, von denen man sich gerade nichts sagen lassen will. Wer sich verweigert, kapituliert. Verliert auf ganzer Linie. Vor sich selbst, sich selbst und Zukunft gleich noch mit dazu.

Die Weichen wurden in der Vergangenheit falsch gestellt und führten zu verheerenden Entwicklungen. Mit einem ungetrübten Blick lässt sich dies unschwer resümieren. Für einen Spurwechsel braucht es nun Mut, um eingetretene Pfade zu verlassen. Neuland kann nur entdecken, wer sich vorher durch möglicherweise ungewohntes Terrain wagt. Auch das, was derzeit groß daherkommt, begann mal winzig klein.

Nur ängstliche Menschen verkriechen sich feige in ihrem Bau und greifen zu jeder Waffe, um alles Fremdartige und unerwünschte von sich fernzuhalten. Mit dieser Mentalität hätten unsere Urahnen kaum ihren Ursprungsort in Afrika verlassen und inzwischen den gesamten Planeten bevölkert. Dagegen führte diese begrenzte Haltung zu zwei Weltkriegen, Völkermorden, verheerenden Bürgerkriegen und alltäglichem Machtgemetzel. Absonderlicher Weise legt aber gerade dieser, nach Angstschweiß übelst stinkende, rechts-nationalistische Dreck überall zu. Wertelose Kreaturen dürsten nach egozentrischer Dominanz. Ihre Bestrebungen definieren sich dadurch, alles von ihnen nicht anerkanntes auszumerzen. Geduldet wird nur, was gefügig und nützlich ist. Sich über alles erheben ist ihr einziger Inhalt. Hass ihr Antrieb und Gewalt das Ventil. Ihre Beschränktheit kollidiert mit Offenheit und aktiviert animalische Wurzeln. Auf Instinkte reduziert, findet Denken nicht mehr statt.

Eine lebenswerte Zukunft gedeiht aber nur unter sozialen Verhältnissen. Gemeinschaft umfasst dabei nicht alleine nur die menschliche Warte, sondern eben gerade sämtliches Leben auf der Erde. Wir Menschen besitzen die nötige Intelligenz und genug Wissen, um zu begreifen, dass diese Welt ein komplexer Organismus ist und nur als Ganzes die funktionsfähige Grundlage bietet, von der alles Lebendige abhängt.

Verantwortungsbewusstsein ist entscheidender als jemals zuvor. Nicht anderen gemachte Fehler vorhalten, sondern gemeinsam korrigieren. Sich alleine an Vorwürfen abzuarbeiten, ist kontraproduktiv. Es befeuert einzig schädliche Ideologien und gibt denen Auftrieb, die Angst in Hass, Hetze und Gewalt umwandeln. Die sich an ihrer willigen Gefolgschaft laben und schamlos deren Schwächen ausnutzen.

Unabhängig von den extremen Rändern, dürfen begangene Fehler, die auch zu deren Entwicklung beitrugen, nicht übergangen werden. Dazu bedarf es keine umfangreiche Analyse. Es genügt den aktuellen Zustand möglichst unvoreingenommen zu betrachten. Die Herausforderung besteht darin sich Beeinflussungen zu erwehren und nicht fremd bestimmen zu lassen. Gedankenlos den lautesten Parolen folgen, weil sich ein innerer Trieb angesprochen fühlt, widerspricht eindrucksvoll dem, was wir permanent als unsere herausragendste Eigenschaft ins Feld führen: Intelligenz. Ein denkender Mensch lässt sich nicht durch billige Propaganda verführen, sondern entlarvt diese als solche.

Natürlich ist das bei der existierenden Informationsflut alles andere als leicht. Wir besitzen aber etwas, das sich gesunder Menschenverstand nennt. Dieser basiert wiederum auf unseren menschlichen Werten, die uns erst zu dem machen, was wir sind. Es ist eines jeden Pflicht, das Feld nicht den Demagogen zu überlassen. Und eines jeden Aufgabe, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Was nun die richtige Wahl ist? Gibt es die überhaupt oder geht es nicht wie meist nur um das kleinste Übel? Wem verdanken wir die aktuelle Situation? Bereits eine Antwort hierauf ist zielführend. Zur Auffrischung des Erinnerungsvermögens bietet die Fortsetzung, Die falsche Wahl 2021, etwas Hilfestellung und einige Denkanstöße.

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