Alternativlos

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So zuversichtlich, wie die inzwischen nahezu weltweit agierende #FridaysForFuture Bewegung oder das Aufbegehren amerikanischer Waffengegner im #MarchForOurLives auch stimmen, laufen sie und alle ähnlich motivierte Organisationen gegen ein derzeit unüberwindliches Hindernis. Wem sämtliche moralischen Werte noch nicht abhandengekommen sind und eine menschliche, sowie lebensfähige Zukunft in Gefahr sieht, dem sind ab einem bestimmten Punkt die Hände gebunden. Denn egal, ob sie für Umwelt, Klima oder Tiere kämpfen, benötigen sie für Veränderungen Unterstützung an den verantwortlichen Schalthebeln: Politik.

Obwohl die Stimmen jeglichen Widerstands zu einer unüberhörbaren Lautstärke angeschwollen sind, prallen alle an regulatorischen Mächten ab. Da deren Hemmschwellen zur Verlogenheit äußerst niedrig sind, reiten diese ungeniert auf den populistischen Wellen, solange sie davon profitieren. Ihre schwachen Rückgrate lassen sie sich im Hintergrund von der Wirtschaft und deren Lobbyisten stärken, weshalb sich sämtliche Proteste nach wie vor die Zähne ausbeißen. Bekanntlich sind Politiker Meister im Aussitzen von für sie unpässlichen Forderungen und besitzen gegen Volksbegehren einen abweisenden Schutzfilm. Jedoch beherrschen sie in geradezu perfider Vollkommenheit den Stimmenfang und angeln selbst im Haifischbecken noch die fettesten Brocken. Skrupellos fischen sie in fremden Gewässern.

Überall hat die jeweilige Politik zum Status quo geführt. Vom vorhandenen Personal abwegiges Handeln zu erwarten, grenzt aus deren Sicht an Verrat. Schließlich haben sie den Karren hierhergezogen, überzeugt auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn sie anders denken und handeln könnten, hätten sie von Beginn an einen anderen Weg eingeschlagen oder wären rechtzeitig abgebogen. Sie umlenken ist daher unmöglich. Objektiv betrachtet taugt ein solches Ansinnen lediglich als Negativbeispiel für Naivität.

Tatsache ist, dass alle Bereitschaft zum Wandel keine politische Entsprechung findet oder anders ausgedrückt: Es existiert keine wählbare politische Partei/Gruppierung, die die Interessen des Wandels vertreten und in deren Sinne agieren. Erst recht gibt es keine Partei, die derlei Thematik aus sich heraus interessiert oder voranbringt.

Nein, auch Die Grünen nicht. Alle aktuellen Parteien machen das, was sie am besten können: ihre Fahnen in den Wind hängen. Mit ihrer professionellen Polemik drehen sie ihn gekonnt in ihre Richtung. Je nach Bedarf mal mehr oder weniger. Das mag verwerflich sein, ist aber hinlänglich bekannter Usus. Sich hingegen schamlos der Gegenkräfte zu bemächtigen, ist eine seit Kurzem wiederbelebte Entwicklung. Es ist einfach, dem allgemeinen Konsens zu widersprechen. Trotz oder gerade wegen der eigenen Inhaltslosigkeit, findet dieses zerstörerische Schmarotzertum regen Zulauf. Minderwertigkeitskomplexe übertüncht man idealerweise mit einfach strukturierten Mustern. Damit lassen sich Überforderungen vermeiden, erreichen eine zügige Verbreitung und werden schneller assimiliert. Derartige Strömungen sind zu nichts und für nichts eine Alternative, taugen zu nichts und sind schlichtweg nutzlos und überflüssig.

Wer mit ehrenhaften Absichten lebensnotwendige Veränderungen herbeiführen möchte, steht auf verlorenem Posten. Weltweite Tendenzen zeigen vielmehr, dass jeglicher Einsatz auch zukünftig aussichtslos bleiben wird. Was sich absurd anhört, ist bittere Realität. Demokratie heißt eigentlich, dass die Menschen eine Wahl haben. Doch in Wirklichkeit steht kein vom Establishment unabhängiges Schwergewicht zur Verfügung. Eine Entscheidung zwischen Pest oder Cholera ist daher für das parteipolitische Weltgefüge ein Armutszeugnis.

Aufgrund der anhaltend desaströsen Situation, in der sich keinerlei Anzeichen von Verbesserungen andeuten, werden sich über kurz oder lang die Systemveränderer aufreiben. Alle Bewegungen scheitern am Unwillen oder Unvermögen, den Rahmen von Innen herauszusprengen, statt sich von Außen nur die Nase blutig zu stoßen. Sie müssen endlich einsehen, dass vom vorliegendem Parteispektrum keine Neuorientierung zu erwarten ist. Selbst in den vermeintlich rebellischen Jungorganisationen fließt parteiinternes Blut. Egal wo auf der Welt, wenn sich aus dem Aufbegehren keine eigene politische Kraft bildet, wird ihr gesamter bisheriger Aufwand umsonst gewesen sein. Nur wenn sie selbst zu einer wählbaren Alternative wachsen, können sie wirklich etwas bewegen. In einer Demokratie ist das nicht nur möglich, sondern der einzige Weg.

Bis dahin herrscht in der Wahlkabine Alternativlosigkeit.

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