System reformieren oder scheitern

Gemeinsam die Gier überwinden, bevor sie uns tötet.

Perversion von Absichten #07

Umwelt • 31.12.2022 • Lesezeit ∼ 3 Min.

Naturschützer und Umweltaktivisten haben es schwer genug. Nun spuckt ihnen die #LetzteGeneration, die von sich behaupten auf derselben Seite zu stehen, auch noch in die Suppe. Weil Wirtschaft kaum und Politik nur wenig Interesse an der Klimakrise zeigen, erachten sie radikalere Methoden als geeignet, Änderungen erzwingen zu können. Alles, was sie jedoch mit ihren Aktionen erreicht haben, ist, die Macht des Neokapitalismus' gegen sich zu entfesseln. Präventiv steckt man sie in Arrest – bedrohte Frauen müssen von so viel Vorsorge weiterhin nur träumen. Terrorismusparagraphen werden gegen sie in Stellung gebracht und insgesamt mehren sich Stimmen für schärfere Gesetze, um Aktivismus allgemein stärker zu drangsalieren und einschränken zu können.

Klassischer Fall einer Perversion von Absichten. Nichts für das eigentliche Anliegen erreicht, stattdessen alle gegen sich aufgebracht und gleichzeitig jeden Aktivismus erschwert.

Zwei Sichtweisen drängen sich nun auf. Aufgrund der heftigen Reaktion des Systems könnte es eine ernstzunehmende Gefahr für sich erkennen, weshalb es seine Abwehrmechanismen ausbaut. Oder in kurz: es hat Angst. Dieser seelenlose Diktator? Klingt wenig plausibel. Andererseits wirkt alles zu inszeniert. Es passt dem System viel zu gut in den Kram, als dass sich die günstige Gelegenheit zu mehr Restriktionen nur zufällig ergeben hat.

Darüber hinaus ist die gewählte Bezeichnung, #LetzteGeneration, in allen Belangen unzutreffend und dient offensichtlich der Dramatisierung. Die vorgebliche Intention, Bekämpfung der Klimakatastrophe, klingt nachvollziehbar. Was natürlich notwendig ist, um die gesamte Entwicklung an Repressalien akzeptabel zu machen.

Zweifellos ist ein Systemwechsel nötig, um der Klimakrise begegnen zu können. Ebenso, dass wir Jahrzehnte lang ignorant und verschwenderisch gelebt und wertvolle Zeit verantwortungslos vergeudet haben. Der gezeigte Aktionismus beschert dem zu bekämpfenden Übeltäter jedoch Bärendienste. Dieses nicht zu erkennen, sich stattdessen verblendet und fanatisch weiter als Helfershelfer zu betätigen, sind eher narzisstische Anzeichen. Vordergründig geht es offenbar um die Aufmerksamkeit für sich selbst, als um das Klima. Zur Erinnerung: was hat eine Schülerin erreicht, alleine durch einen stillen Streik jeden Freitag? Hier kam dann, für das System ebenfalls sehr passend, eine Pandemie um die Ecke, als die Bewegung eine kritische Größe erreichte. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Ja, vieles muss sich schleunigst ändern. Dieser Weg ist allerdings kontraproduktiv. Radikale Maßnahmen können erfolgreich sein, wenn sich alle Bürger beteiligen. Dummheit und Lethargie sind inzwischen aber so weit verbreitet, dass hiermit kaum zu rechnen ist. Diesen Missstand aufzuheben, wäre vordringlich notwendig. Die kleine Aktivistengruppe hilft lediglich dem System sich zu härten, indem es seine totalitären Ambitionen ausbauen kann. Das ist weder hilfreich noch intelligent.

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